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BSB und Umweltfragen

In Zeiten von Extremwetter-Ereignissen und Energiekrise sind Umweltfragen in aller Munde und machen auch im Sport nicht Halt – im Gegenteil. Der Sport ist sowohl direkt als auch indirekt von den Folgen des Klimawandels betroffen, weshalb er sich auch engagieren muss. Was kann der Sport tun, um sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen?

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Elena Grüner
Wirthstraße 7
79110 Freiburg
© LSB NRW / Andreas Bowinkelmann

Der Sport – Treiber des Klimawandels?

Einige Sportarten benötigen sehr ressourcenintensive Plätze, wie bspw. Tennis, Fußball, Pferdesport oder Golf. Nicht nur der Wasserverbrauch ist hier zu nennen, sondern auch der Pestizid- und Düngereinsatz sowie der ressourcenintensive Aufwand, die Plätze dem Sport entsprechend zu pflegen. Neben den Sportplätzen sind es aber beispielsweise auch Eissport- und Schwimmhallen, die einen enormen Energieverbrauch aufweisen. Gleiches gilt auch für den Motorsport.

Des Weiteren produziert auch die ein oder andere (Groß-) Sportveranstaltung einiges an CO2. Nicht nur die Sporttreibenden selbst, sondern auch die Mannschaften und Teams sowie die Zuschauer und Fans reisen für die Veranstaltungen um die Welt, nicht selten muss die Infrastruktur im Wettkampfort angepasst und ausgebaut werden, um der Veranstaltung gerecht zu werden. Eine einzige Profisport-Veranstaltung, wie bspw. der FIFA World Cup 2022 in Qatar oder die olympischen Sommerspiele 2016 in Rio der Janeiro verursachen mehr CO2-Emissionen als das Land Mali (20 Mio. Einwohner) oder Island in einem gesamten Jahr.

Die vielen Reisewege, sei es zu einem Wettkampf oder nur zum wöchentlichen Training, sind es, die einen enormen Einfluss auf die CO2-Bilanz haben. Nicht nur im Profibereich, sondern in jedem Breitensport-Verein kommt dieses Thema auf und beginnt dabei schon bei den jüngsten Sportlerinnen und Sportlern.

Neben der Sportstätte und der Mobilität gibt es aber natürlich noch weitere Aspekte, die auf das Klima-Konto schlagen. Zum Beispiel die Lichtverschmutzung durch Flutlichter und großflächige Beleuchtung oder das weitverbreitete Mikroplastik in bspw. Fußballplätzen, Reitanlagen, aber auch in benötigtem Equipment und Sportkleidung, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen.

© LSB NRW / Andrea Bowinkelmann

Der Sport – Leidtragender des Klimawandels

Wie eingangs erwähnt, ist der Sport aber auch großer Leidtragender und sowohl direkt als auch indirekt vom Klimawandel und den entsprechenden Risiken betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Sporttreibende sogar zu den vulnerablen Risikogruppen für klimabedingte Gesundheitsrisiken.

Zu den direkten Auswirkungen zählen neben der UV-Strahlung und Hitzerisiken auch Extremwetter-Ereignisse, da diese ohne Umwege ein Risiko für die am Sport beteiligten Akteure darstellen. Daneben dürfen jedoch auch die indirekten Auswirkungen des Klimawandels nicht vernachlässigt werden, wie bspw. Atemwegsrisiken durch verstärkte Pollen, Feinstaub und Ozon, Infektions- und Vergiftungsrisiken, verursacht durch Stechmücken, Zecken und wasserbezogene Infektionen sowie mentale Risiken.

Wie der Klimawandel und insbesondere die Hitze unsere Gesundheit beeinflussen – sei es beim Sport als auch allgemein – darüber informiert das BIÖG (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, früher BZgA) auf seiner Webseite, u. a. in einem Erklärvideo:

 https://www.klima-mensch-gesundheit.de/

Es wird deutlich, dass der Sport und alle daran beteiligten Akteure sowohl direkt als auch indirekt den klimabedingten Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind und diese nicht immer minimiert werden können. Daher ist es unerlässlich, darüber zu informieren, etwas aktiv gegen den Klimawandel zu tun und – vermutlich am Wichtigsten – sich mit dem Thema Klimaanpassung ernsthaft zu beschäftigen.

Doch was bedeutet überhaupt Klimaanpassung im Sport? Auch hierüber informieren verschiedene Institutionen, wie z. B. der DOSB unter folgendem Link: 

https://www.dosb.de/wissen/detail/klimaanpassung-im-sport

Aktiv werden!

Der Sport kämpft mit der doppelten Herausforderung: Einerseits muss dieser als größte positive Interessenvertretung mit über 29 Mio. Mitgliedschaften den eigenen ökologischen Fußabdruck minimieren. Andererseits müssen sich alle Beteiligten an die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels anpassen. Aus diesem Grund müssen die Sportorganisationen Verantwortung übernehmen und beim Aufbau einer nachhaltigeren Zukunft in Führung treten. Nur so kann gewährleistet werden, dass auf allen Ebenen des organisierten Sports das Thema aktiv angegangen wird. Der Sport hat in diesem Bereich unglaubliches Potenzial und sollte als Vorreiter dienen, um Menschen weltweit zu aktivem Klimaschutz, aber auch zu Klimaanpassung, zu bewegen.

Inzwischen gibt es viele Institutionen, die sich aktiv mit dem Thema „Sport und Klimawandel“ bzw. „Klimaanpassung im Sport“ auseinandersetzen. Täglich kommen neue Ideen, Lösungs- und Anpassungsvorschläge sowie Best Practice-Beispiele hinzu.

Von kleinen Änderungen, wie bspw. einer Plakat-Aktion oder der Möglichkeit, Teilnehmern oder Gästen zu ermöglichen, nach einer Veranstaltung übrig gebliebenes Essen mitzunehmen, bis hin zu einer umfassenden Umstrukturierung – jeder Verein, egal welcher Größe und (ehrenamtlicher) Kapazität, kann etwas tun!

Downloads / Informationen

Immer mehr Fachverbände machen nicht nur auf das Thema aufmerksam, sondern engagieren sich aktiv in diesem Bereich. Je nach Sportart fällt die Umweltbilanz besser oder schlechter aus, weshalb bereits einige Fachverbände aktiv an der Reduzierung der Emissionen arbeiten und wertvolle Tipps für die Vereine bereithalten. Hierfür am besten direkt beim Fachverband informieren, ob dieser bereits Maßnahmen, Tipps und Informationen bereithält.

 

Der Sportstättenbau ist direkt mit dem Thema „Sport und Umwelt“ verknüpft. So gibt es im Bereich der Sportstätten sehr viel Einsparpotenzial, Um- und Ausbau-Arbeiten sollten daher auch immer unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet und geplant werden. Die jeweiligen Sportbünde geben hierzu weitere Informationen. Folgende Begriffe sollen jedoch einen ersten Impuls geben, wie vielfältig dieser Bereich ist:

Lichtverschmutzung / Kunstrasen / Reitplätze / Energetische Sanierung / Bewässerung / Recycling / Mobilität / Soziale Nachhaltigkeit / u. v. m.

Immer mehr Bekleidungsmarken bieten nachhaltig und fair produzierte Sportkleidung an. Auch Tausch-Börsen mit sportartspezifischer Kleidung, wie bspw. Turnanzügen, sind eine nachhaltige und leicht umsetzbare Möglichkeit, die Umweltbilanz innerhalb eines Vereins zu verbessern.

Re-fuse: Ablehnen = Plastik und unnötige Materialien ablehnen

Re-duce: Reduzieren = Konsum und unnötige Materialien reduzieren

Re-use: Wiederverwenden = Rohstoffe wiederverwenden

Re-think: Umdenken = Aktuelles Verhalten überdenken und nachhaltiger gestalten

Re-cycle: Recyclen = Materialien re- und upcyclen

© LSB NRW / Andrea Bowinkelmann

Fazit

Es wird deutlich, dass es die unterschiedlichsten Maßnahmen mit unterschiedlichen Aufwandsintensitäten gibt, um innerhalb eines Vereins nachhaltiger zu leben. Sei es die Kleidertausch-Börse, die Fahrgemeinschaft zum Spiel, die Informationsveranstaltung für Mitglieder oder ein nachhaltig organisiertes Vereinsfest – um nur ein paar wenige Möglichkeiten zu nennen.

Wichtig zu erwähnen ist, dass der organisierte Sport stets auf die Vernunft und Eigenständigkeit einer jeder am Sport beteiligten Person setzt. Neben den Hinweisen, Tipps und Handlungsmöglichkeiten, die von den verschiedenen Institutionen geliefert werden, ist es wichtig, sich individuell mit dem Thema zu beschäftigen und ggf. eigenständig Maßnahmen zu ergreifen. Das aktive Schützen der Haut vor direkter Sonneneinstrahlung und das Vermeiden von (sportlicher) Anstrengung in der Mittagshitze sind nur zwei Beispiele, die jede Person individuell für sich umsetzen kann.

Der organisierte Sport berät, unterstützt und versorgt die Vereine und Verbände gerne in den entsprechenden Themen und Materialien. Dennoch ist dies ein Aufruf an jede Person, die am Sport beteiligt ist (und darüber hinaus) Vernunft walten zu lassen und die individuellen Handlungen stets zu hinterfragen und ggf. entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Abschließend soll erwähnt werden, dass sich auch der organisierte Sport in Deutschland für die „Agenda 2030“ einsetzt und aktiv bei der Erreichung der Ziele beteiligt ist. Sport und Bewegung gilt als grundlegendes Recht für alle Menschen, weshalb die Partnerschaft zwischen der UN und dem Internationalen Olympischen Komitee ein wichtiges Zeichen setzt. Schwerpunkt dieser Zusammenarbeit ist der „Einsatz von Sport als Mittel zur Förderung von Bildung, Gesundheit, Entwicklung und Frieden“ zur Unterstützung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SGDs): 

https://www.dosb.de/ueber-uns/internationales/sport-fuer-entwicklung/sport-und-die-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung
 

Der Sport ist betroffen, kann sich aber auch intensiv einbringen. Über all den Notwendigkeiten steht aber, dass der durchschnittlich große Verein in Südbaden meist ehrenamtlich geführt und verwaltet wird. Zu viele Eingriffe, Gesetze und Verordnungen in dessen Wirkungsbereich würden und werden nur hemmen. Dennoch ist jeder gefragt, sich in den Bereich des Umweltschutzes aktiv einzubringen.

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