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Poetry Slam "Schutzschild"

Poetry Slam ist Marie Lemors Zuhause: Seit über zehn Jahren steht sie als Slam Poetin auf regionalen und überregionalen Bühnen und begeistert mit Sprache, Haltung und Ausdruckskraft. Für die Abschlussveranstaltung der Veranstaltungsreihe zur Schutzkonzeptentwicklung hat sie einen besonderen Text zur Auszeichnung „Schutzschild im und für den Sport“ verfasst – eindrucksvoll, pointiert und mit einem klaren Blick auf die Bedeutung von Schutz, Verantwortung und Anerkennung im Sport.

Ein gutes Schutzschild
sieht man nicht,
zumindest dann nicht,
wenn es funktioniert.


Wie eine unsichtbare Hülle,
die, wenn einmal aktiviert,
egal wie heftig attackiert,
dunkle Kräfte absorbiert.


Denn
ein wirklich gutes Schutzschild
ist da,
bevor etwas passiert.


Und nicht erst,
wenn.


Und das ist wirklich gut so,
denn:


Sind erst Grenzen überschritten
und Barrieren überwunden,
hat in den allermeisten Fällen
die Verletzung
schon längst stattgefunden.


Denn ein Schutzschild
formt man nicht
inmitten des Tumults.


Man formt es
in der Zeit
davor,
mit Perspektive
und Geduld.


Ja, ein wirklich gutes Schutzschild
wird Lage um Lage gebaut.


Gebaut aus Mut,
gebaut aus Willen/Haltung,


gebaut von jemandem,
der sich das traut.


Und so ein Schutzschild
braucht doch
manchmal jeder.


Manchmal
weniger
und manchmal
mehr.


Manchmal brauchen wir
es gar nicht,


und manchmal brauchen wir
es sehr.


Stark sein
muss man lernen,
denn unsere Haut
ist eher dünn.


Und es ist leichter,
als uns lieb ist,
bis darunter
vorzudringen.

Einmal Superheld
zu werden,
ist doch der Traum
von jedem Kind.


Doch dafür
braucht es auch die Orte,
die zum Heldenwerden sind.


Und diese Orte
kann man formen
aus Orten,
die schon existieren.


Wo sich Menschen
aneinander messen
und
gegenseitig motivieren.


Dort werden nicht nur
Bälle geworfen
und Tore geschossen.


Dort werden Witze geteilt,
Freundschaften geschlossen.


Dort wird gemeinsam
himmelhoch gewonnen
und haushoch verloren.


Helden geformt und Legenden geboren.


Dort wird
geschwitzt,
diskutiert,
taktiert,
motiviert,


geschrien,
applaudiert,
triumphiert,
improvisiert.


Dort wird Mut antrainiert
und der Selbstwert poliert.


Es wird abgeklatscht
und weitergemacht.


Dort lernt man,
wie man hinfällt,
ohne daran
zu zerbrechen,


wie man Probleme löst
und darüber zu sprechen.


Dort lernt man,
wie wichtig es ist,
sich gegenseitig
zu vertrauen.


Dort lernt man,
wie wichtig es ist,
genauer hinzuschauen.


Denn überall,
wo Menschen wachsen,
sind sie auch
besonders verletzlich.


Und weil die einen
gerade wachsen,
bedeutet das
für die anderen
eben letztlich,


gut aufzupassen,
denn jemand,
der wächst,
schützt sich nicht allein.


Und ich weiß,
das hört niemand gerne,
aber dafür
seid ihr noch zu klein.


Das Schutzschild
für die Kleinen schmieden
diejenigen, die größer sind.


Und
genau dort
ist es,
wo Schutz
wirklich beginnt:


bei denen,
die trainieren,
die betreuen
in Vereinen.


Schutz beginnt
in Augenblicken,
in leisen, stillen, kleinen.


Und dafür muss man hinhören,
wenn jemand sagt,
dass etwas nicht stimmt.

Denn egal wie alt,
egal wie groß,
ob jugendlich oder Kind:


Sie alle sollten lernen,
dass ihre Stimmen wichtig sind
und „Nein“ ein ganzer Satz.


Dass Bauchgefühle richtig sind
und ihre Grenzen einen Platz
verdienen.


Dass stark sein nicht bedeutet,
Dinge nur still zu ertragen.


Dass ihnen jemand zuhört,
wenn sie jemandem etwas sagen.


Ja,
Schutz passiert im Alltag,
in einer Pause nach dem Satz.


Zwischen Heimsieg, High-Five, Müsliriegel,
Busfahrt, Handtuch, Trainingsplatz.


Verantwortung ist nicht optional.
Und Wegsehen keine Neutralität.
Hinschauen braucht nicht nur Mut,
sondern auch Sensibilität.


Die Bereitschaft,
Fragen auch zu stellen,
wenn man die Antwort
gar nicht hören will.


Denn stellt diese Fragen niemand,
bleiben die Antworten auch still.

Ein Schutzschild
wird geschmiedet,
wenn Menschen anfangen hinzusehen,
wenn aus einem „Ach, das wird schon!“
wird: „Ok, das ist ein Problem!“


Doch diese Aufgabe ist riesig.
Zu riesig für jemanden allein,
zwischen Ehrenamt und Freitagstraining,
für einen Menschen, einen Verein.


Ein so großes Schutzschild zu schmieden,
das ist nichts, was man alleine schafft.
Das schafft man, wie in jedem Sport,
nur gemeinsam, als Gemeinschaft.


Ihr alle heute hier
habt euch getroffen,
habt nachgefragt
und nachgedacht,


habt euch zugehört
und widersprochen
und daraus
etwas gemacht:


ein Schutzschild
aus Ideen und Idealen,


das mehr ist als
„Ach, das sieht ja ganz nett aus“.


Keine Symbolik,
sondern Haltung.

Ein
„Wir sind einen Schritt voraus.“


Denn ein wirklich gutes Schutzschild
sieht man nicht.
Es ist da,
bevor etwas passiert.


Es ist gemacht
aus jedem Menschen,
der sich dafür engagiert.


Denn Schutz
ist Teamarbeit
und das zählt doch
im Verein:


die Menschen,
die dir sagen:


„Wir lassen dich hier nicht allein.“


Denn Schutz entsteht dort,
wo sich Menschen trauen hinzusehen.


Der Anfang wurde jetzt gemacht
und so sollte es weitergehen.


Marie Lemor (@plauderpoesie)

Dieser Text sowie Auszüge daraus dürfen nur unter Nennung der Urheberin (Marie Lemor) veröffentlicht, vervielfältigt oder weiterverwendet werden.

 

 

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