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60 Vereine, ein gemeinsames Versprechen

Als im Europa-Park Stadion die Namen der Vereine aufgerufen wurden, ging es nicht um Tore, Tabellen oder Titel. Und doch war dieser Moment für den Sport in Südbaden ein besonderer Erfolg: 60 Sportvereine aus dem Verbandsgebiet des Badischen Sportbundes Freiburg wurden mit dem „Schutzschild im und für den Sport“ ausgezeichnet. Hinter jeder Auszeichnung stand eineinhalb Jahre Arbeit, Austausch, Selbstreflexion und der feste Wille, Kinder und Jugendliche im Sport noch besser zu schützen.

Julica Goldschmidt begrüßt die Vereinsvertretenden im Europa-Park-Stadion

Was an diesem Tag sichtbar wurde, war weit mehr als ein abgeschlossenes Projekt. Es war die Anerkennung für Menschen, die in ihren Vereinen Verantwortung übernehmen: Jugendleitungen, Vorstandsmitglieder, Schutzbeauftragte, Trainerinnen und Trainer, Engagierte aus dem Ehrenamt – und nicht zuletzt Jugendliche selbst. Sie alle haben sich auf den Weg gemacht, bestehende Strukturen zu überprüfen, neue Leitlinien zu entwickeln und Schutzkonzepte so zu gestalten, dass sie nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Vereinsalltag gelebt werden können.

Aus Sicht des Badischen Sportbundes Freiburg ist genau das der Kern des „Schutzschilds im und für den Sport“: Sportvereine sollen Orte sein, an denen Kinder und Jugendliche nicht nur Bewegung, Gemeinschaft und Freude erleben, sondern auch Vertrauen, Sicherheit und klare Ansprechpersonen finden. Orte, an denen junge Menschen spüren: Ich bin willkommen. Ich werde ernst genommen. Ich bin geschützt.

 

Begleitet wurde der Qualifizierungsprozess von der Badischen Sportjugend im Badischen Sportbund Freiburg sowie den Kooperationspartnern Wendepunkt, Kindernothilfe und Sport-Club Freiburg. In sieben unterschiedlichen Veranstaltungsformaten setzten sich die teilnehmenden Vereine intensiv mit ihren Strukturen, Verantwortlichkeiten, Präventionsmaßnahmen und konkreten Handlungsschritten auseinander. Dabei ging es um Fragen, die für die tägliche Vereinsarbeit entscheidend sind: Wer übernimmt Verantwortung? Wo entstehen Risiken? Wie werden Kinder und Jugendliche beteiligt? Was passiert, wenn ein ungutes Gefühl entsteht? Und wie kann ein Verein eine Kultur schaffen, in der Hinschauen selbstverständlich ist?

Dass sich 60 Vereine dieser Aufgabe gestellt haben, ist rekordverdächtig. Noch beeindruckender ist jedoch die Haltung, mit der sie diesen Weg gegangen sind. Viele Ehrenamtliche haben zusätzliche Zeit investiert, neben Trainingsbetrieb, Spieltagen, Sitzungen, Fahrdiensten und Vereinsorganisation. Sie haben diskutiert, nachgeschärft, zugehört und Entscheidungen getroffen. Damit haben sie deutlich gemacht: Kinder- und Jugendschutz ist keine Zusatzaufgabe am Rand, sondern ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Vereinsarbeit.

BSB-Präsident Gundolf Fleischer würdigte dieses Engagement bei der Auszeichnungsveranstaltung: „Mit dem ‚Schutzschild im und für den Sport‘ des Badischen Sportbundes setzen Vereine mehr als ein sichtbares Zeichen: Sie übernehmen Verantwortung – für Kinder, Jugendliche und für eine Vereinskultur, in der dieser Schutz selbstverständlich gelebt wird. Junge Menschen tragen unsere Vereine heute schon mit und gestalten sie morgen weiter. Deshalb reicht es nicht, gute Konzepte zu entwickeln; sie müssen im Vereinsalltag auch gelebt werden.“

Die Abschlussveranstaltung im Europa-Park-Stadion gab diesem Engagement einen besonderen Rahmen. Mit Meret Felde aus dem Bundesligateam der Frauen und Nicolas Höfler aus dem Bundesligateam der Herren begleiteten zwei Kinder- und Jugendschutz-Botschafter des Sport-Club Freiburg die Veranstaltung. Ihre Anwesenheit unterstrich, dass Kinder- und Jugendschutz den gesamten Sport betrifft – vom Breitensportverein vor Ort bis zum Profiverein.

Eine wichtige Grundlage für den ersten Durchlauf war auch die Unterstützung des Sport-Club Freiburg. Der Verein trug die Kosten der Qualifizierungsreihe über seine Mitgliederaktion „Spende statt Kalender“. Damit wurde möglich, dass die teilnehmenden Sportvereine den Prozess durchlaufen konnten und zugleich ein starkes Signal entstand: Kinder- und Jugendschutz gelingt dann besonders gut, wenn viele Partner Verantwortung übernehmen und ihre Möglichkeiten in den Dienst der Vereine stellen.

Für Marcel Drayer, Projektleitung der Veranstaltungsreihe, war die Auszeichnung zugleich Abschluss und Auftakt: „Und jetzt stehen wir hier, kurz vor dem Abpfiff. Nicht für 60 oder 90 Minuten Spielzeit. Nicht für den Punktgewinn. Sondern für etwas, das viel länger wirkt. Heute habt ihr das Schutzschild im und für den Sport bekommen. Aber dieser Schutzschild ist keine Trophäe für die Vitrine. Es ist kein Pokal, den man einmal hochhält und dann ins Regal stellt. Es ist ein Versprechen. Ein Versprechen an jedes Kind, das zum ersten Mal durch die Vereinstür kommt. An jede Jugendliche, die sich fragt: Bin ich hier richtig? An jeden jungen Menschen, der im Sport nicht nur Leistung sucht, sondern Gemeinschaft, Vertrauen, Freude und Schutz.“

Mit der Auszeichnung werden die 60 Sportvereine Teil des „Schutzschild im und für den Sport“-Bündnisses des Badischen Sportbundes Freiburg. Damit endet der Prozess nicht mit einer Urkunde. Vielmehr beginnt eine neue Phase der Begleitung, Vernetzung und Weiterentwicklung. Gemeinsam mit Wendepunkt und der Kindernothilfe sollen die Vereine weiterhin unterstützt werden – etwa beim Leben der erarbeiteten Leitlinien im Vereinsalltag, beim Umgang mit schwierigen Situationen und durch weitere Qualifizierungsangebote.

Neu ist zudem die Kooperation mit wellplayd. Sie ermöglicht es den Vereinen, zeitaufwendige Prozesse künftig digital und datenschutzkonform abzubilden, etwa die Einsichtnahme in erweiterte Führungszeugnisse. Dank einer Förderung aus dem Pool zur Förderung innovativer Fan- und Fußballkultur der Deutschen Fußball Liga steht das Tool den ausgezeichneten Vereinen ein Jahr lang kostenfrei zur Verfügung. So können die Vereine erproben, wie digitale Lösungen den Vereinsalltag entlasten und mehr Zeit für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen schaffen. Auch der Sport-Club Freiburg durchläuft den Prozess derzeit selbst – nach dem Grundsatz, zunächst eigene Strukturen weiterzuentwickeln, um die gewonnenen Erfahrungswerte anschließend in die Breite zu tragen.

„Die vergangenen achtzehn Monate haben gezeigt: Wenn wir gemeinsam am Ball bleiben, können wir wirklich etwas bewegen“, betonte Gundolf Fleischer. Genau diesen Weg will der Badische Sportbund Freiburg fortsetzen: mit einem weiterführenden Bündnis und einem zweiten Durchlauf, um weitere Sportvereine für das „Schutzschild im und für den Sport“ zu gewinnen.

Diese zweite Runde der Qualifizierungsreihe ist bereits geplant: Ab Februar 2027 bieten die Kooperationspartner weiteren Vereinen aus dem Verbandsgebiet des Badischen Sportbundes Freiburg die Möglichkeit, ein eigenes Kinder- und Jugendschutzkonzept zu erarbeiten. Insgesamt stehen 40 Plätze zur Verfügung. Die Ausschreibung und Bewerbungsphase folgen im Herbst 2026 über die Website des Badischen Sportbundes Freiburg.

 

Der Tag im Europa-Park Stadion hat gezeigt: Schutz entsteht nicht durch ein einzelnes Dokument und nicht durch eine einmalige Auszeichnung. Schutz entsteht dort, wo Menschen im Verein Verantwortung übernehmen, hinschauen, zuhören und handeln. Genau das haben diese 60 Sportvereine getan. Sie haben ein Schutzschild aufgebaut – nicht für die Vitrine, sondern für den Alltag. Für jedes Training. Für jede Begegnung. Für jedes Kind und jeden Jugendlichen, der im Sport einen sicheren Ort sucht.

 

Ein absolutes Highlight, nicht nur für uns, sondern auch für die Sportvereine, war der Poetry Slam von Marie Lemor. Ihre warmen und berührenden Worte werden uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Fotos: Jasmyn Groeschke SC Freiburg

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