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Informationen zum Thema Ganztag

Herausforderung Ganztag

Aufschlussreiche Fachtagung des Badischen Sportbundes Freiburg zum Thema "Chancen für die Kooperation von Vereinen, Ganztagesschulen und Kindertagesstätten" an der Sportschule in Steinbach war ein großer Erfolg.

Sport und Ganztagesschule - kaum ein anderes Thema beschäftigt die Sportvereine derzeit mehr: Der Ausbau der Ganztagesschulen in allen Schulformen - vor allem bei den Grundschulen geht schnell voran. Was bedeutet dies für die Sportvereine" Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Mehr Chancen, mehr Risiken?

Wird der Sport im Verein angesichts der Tatsache, dass zukünftig mehr Kinder und Jugendliche denn ja erst nach 16 Uhr nach Hause kommen, darunter leiden? Können Kinder dann überhaupt noch motiviert werden, sich noch einmal aufzuraffen, und Sport im Verein zu treiben? Schließlich zeigt das Beispiel vieler angelsächsicher Länder, die seit Jahrzehnten über Ganztagesschulen verfügen, dass dort Sport in der Schule und kaum in Vereinen praktiziert wird. Antworten auf diese und viele andere Fragen gab es bei der Versanstaltung "Der Ganztag" des Badischen Sportbundes Freiburg und der Sportschule Steinbach Mitte März. Und dies vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass der Landessportverband seit Monaten in Verhandlungen mit der Landesregierung über eine Vereinbarung zum Sport im Ganztag steht. Eine Umsetzung könnten bereits für das Schulljahr 2014/2015 wirksam werden. Rund 120 Vertreter von Vereinen, Schulen und Kindergärten folgten der Einladung des BSB nach Steinbach. Immerhin ist dieser der erste Sportbund, der seine Vereine in Form einer derartigen Veranstaltung auf den neuesten Wissenstand brachte. Bislang, so BSB-Präsident Gundolf Fleischer iin seiner Begrüßung, habe sich die Zahl der Ganztagesschulen im Land am Bedarf orientiert. Gerade einmal 15 % der Grundschüler besuchen eine Ganztagesschule. Dies soll sich nach dem Willen der Landesregierung jedoch in den nächsten Jahren vervielfachen. "Wir vom Sport sind ob dieser Tatsache nicht unbedingt begeistert, denn nicht zuletzt das ehrenamtliche Engagement in unseren Vereinen ist an einer Schallgrenze angekommen. Aber es macht keinen Sinn", so Fleischer, "jetzt in Lethargie zu verfallen. Wir müssen uns den Tatsachen stellen. Denn wenn wir nichts machen, werden wir gemacht."

Die Grundvoraussetzung, so der BSB-Präsident, sei jedoch die flächendeckende Versorgung mit drei Sportstunden in der Woche, geleitet von ausgebildeten Sportlehrern. Darüber hinaus ist es das Ziel, eine Sporteinheit pro Tag an den Schulen zu realisieren. Der Sportverein geht in die Schule und holt die Schüler im wahrsten Sinne des Wortes ab. Nachmittags, aber auch ggf. vormittags, im Rahmen der Rhythmisierung des gesamten Unterrichts können Vertreter der Vereine dann den außerschulischen Unterricht leiten. Der Sport muss hier vorangehen und darf nicht schlafen", so Fleischer weiter. Deshalb braucht der Sport eine verbindliche Vereinbarung mit dem Land, mit der festgezurrt werden soll, unter welchen Bedingungen die Vereine sich einbringen können.

Gerhard Mengesdorf, Präsident des Badischen Turner-Bundes, und von Beruf Schulleiter, formulierte sodann die Bedingungen und Forderungen seitens des Sports. So sei vor allen Dingen die Finanzierung des Vereinsengagements sicherzustellen. Mengesdorf verwies auf das Sportvereinsprivileg, soll doch mit dem Kultusministerium vereinbart werden, dass nur der organisierte Sport Partner der Schulen für die Bewegungserziehung sein könne. Dafür würden die Vereine sicherstellen, dass nur qualifizierte ausgebildete Übungsleiter in die Schulen gehen. Er erläuterte in diesem Zusammenhang, dass zukünftig jeder Schulleiter einer Ganztagesschule immerhin 50 Prozent seiner zusätzlichen Deputate quasi monetarisieren können, sofern die Schule selbst keine ausreichende Anzahl an Lehrkräften zur Verfügung haben. Mit diesem Geld würden dann Übungsleiter der Vereine durch die Schule bezahlt, wobei Partner der Schule der Verein und nicht der einzelne Übungsleiter sein. Mengesdorf verwies aber auch auf viele offene Fragen. So müsse alles dafür getan werden, dass auch leistungssportlich orientierte Kinder und Jugendliche zukünftig genügend Zeit fänden, ihrem Sport im Verein nachzugehen und sich in gewissen Fällen vom Nachmittagsunterricht befreit lassen könnten. "Alles in allem darf der Sportverein nicht gefährdet werden. Die Vereinskultur als zentrale Säule einer aktiven Bürgergesellschaft muss erhalten bleiben", so Mengesdorf unter dem Beifall der Anwesenden.

Martin Voßler vom Regierungspräsidium Freiburg erläuterte sodann, dass die Ganztagesschule eine große Chance für ein lebenslanges Sporttreiben der Kinder darstelle. Er begrüßte das Engagement des organisierten Sports, durch die Entsendung von Übungsleitern und Trainern in die Schulen dazu einen entscheidenden Beitrag zu leisten und forderte ebenso wie Fleischer verbindliche und klare schriftliche Vereinbarungen über die Rechte und Pflichten dieser Zusammenarbeit. Zu einem Erfolg müssten alle Beteiligten, also Lehrer, Eltern, Schule und der Verein ins Boot und diese Zusammenarbeit im Rahmen eines pädagogischen Konzeptes, abgesichert durch die jeweilige Schulkonferenz, festlegen. Regierungsdirektor Voßler bot dabei die Unterstützung und Kooperation des Regierungspräsidiums Freiburg an.

In den einzelnen Workshops wurden am Nachmittag weiter Erläuterungen und, soweit möglich, Antworten gegeben. Einige wenige Kernaussagen, Wünsche und Voraussetzungen:

• Eine Sensibilisierung der Schulleiter und Sportler ist dringend notwendig
• Individuelle Lösungen sind das A und O
• Die Rahmenbedingungen müssen verbindlichen Charakter haben
• Eine steuerliche Abklärung mit dem Finanzministerium ist notwendig
• Best-Practice-Beispiele müssen permanent kommuniziert werden
• Aufgrund der heterogenen Zusammensetzung der Gruppen müssen motivierende und kreative Angebote für die Kinder gefunden werden

Oder, wie es Magdalena Heer, Vizepräsidenten des BSB, und zusammen mit Judith Brame von der BSB-Geschäftsstelle hauptverantwortlich für die Veranstaltung, in ihrem Schlussstatement formulierte: "Das Wichtigste sind klare Bedingungen. Darauf muss gegenüber dem Kultusministerium gedrungen werden. Alle müssen mit ins Boot. Dass es Risiken gibt, liegt auf der Hand. Doch die Chancen können überwiegen, wenn denn nur alle wollen", so Heer. Und alle, das sind Schule, Vereine, nicht zuletzt aber auch die Kommune.

Als Fazit bleibt: Dies war zunächst lediglich die erste Veranstaltung dieser Art. Die Kommunikation zu den Vereinen hin darf nicht versiegen. Der Weg, und das soll alles, nur keine Plattitüde sein, ist steinig und lang. Aber, wie formulierte es Gundolf Fleischer: "Wir müssen den Tatsachen ins Gesicht sehen und diese annehmen."
 



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